Strukturierte Fortbildung: Funktionsanalyse und -therapie für die tägliche Praxis

Kursnummer: 1001.17
Moderator: Dr. med. dent. Uwe Harth, Bad Salzuflen
Referent: Dr. med. dent. Uwe Harth, Bad Salzuflen
Kurspunkte: 45
Kursstart: bereits erfolgt – Einstieg weiterhin möglich. Nach Buchung werden Ihnen die Aufzeichnungen von Teil 1, welche als Online Live-Seminare durchgeführt wurden, zur Verfügung gestellt (bis 20.08.2021 abrufbar). Teil 2 und 3 finden als Präsenzkurse mit praktischen Übungen statt (Stand 25.03.2021).

Dr. U. Harth

Dr. U. Harth Niedergelassen in eigener Praxis, Spezialist für Funktionsdiagnostik und -therapie Bundesweite Referententätigkeit

In diesem Kurs werden die Grundlagen für die Behandlung funktionsgestörter Kausysteme erarbeitet. Welchen Aufgaben müssen wir Zahnärzte, Zahnärztinnen uns heute in der Funktionslehre stellen? Wie sieht ein zeitgemäßes Behandlungskonzept in der zahnärztlichen Funktionslehre aus und wie kann es von einem zahnärztlichen Praktiker, einer zahnärztlichen Praktikerin in der täglichen Praxis umgesetzt werden?

Ist eine Funktionsbehandlung, die ausschließlich auf dem Faktor Okklusion basiert noch zeitgemäß oder ist von vornherein ein interdisziplinärer Behandlungsansatz notwendig? Welche Rolle spielt die Okklusion in der Komplexität des CMD Geschehens? Kann die Okklusion alleine Ursache für eine CMD sein oder ist sie eher als ein Vermittler im multikausalen CMD Geschehen anzusehen?

In diesem Basiskurs werden die Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Kausystems erarbeitet, die Voraussetzung sind für das Verständnis der Funktion und später für das Verstehen der Dysfunktion und deren Behandlung.

Eine systematische Befunderhebung des Kausystems im Rahmen einer klinischen Funktionsanalyse ermöglicht dem Zahnarzt, der Zahnärztin eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zu diagnostizieren. Die Ausrichtung des Untersuchungsganges kann unterschiedlich sein: in der klassischen klinischen Funktionsanalyse wird der momentane Befund des Kausystems durch Palpation von Muskeln und Kiefergelenk, Beschreibung der Unterkiefermobilität und der Knackgeräusche erfasst. Die manuelle Strukturanalyse geht im Detail weiter. Sie gibt dem Zahnarzt, der Zahnärztin die Möglichkeit, einzelne anatomische Strukturen des Kausystems unter Belastung zu untersuchen und zu befunden. Ein wesentlicher Unterschied zur konventionellen klinischen Funktionsanalyse ist die Bestimmung sog. Belastungsvektoren. Die Richtung des Belastungsvektors beschreibt die Richtung, die zur Läsion einer Gewebestruktur geführt hat. Dieses ist für den therapeutischen Ansatz entscheidend. Die therapeutische Richtung ist entgegengesetzt zur Belastungsrichtung, die eine Gewebestruktur geschädigt hat.

Der Zahnarzt, die Zahnärztin sollte in der Lage sein, den zahnmedizinischen Faktor einer CMD-Problematik aussagekräftig abzuklären, vor allem die Fragestellung, ob mit den zahnärztlich zur Verfügung stehenden Mitteln, d.h. über Lageveränderungen des Unterkiefers, die CMD-Problematik, hier vor allem gezielt die überlastete Gewebestruktur therapeutisch zu beeinfl ussen ist. Wie ist der Einfl ussfaktor Okklusion zu bewerten? Die dafür notwendigen Untersuchungsmethoden und Behandlungsschritte werden den Kursteilnehmern erklärt.

Nach wie vor spielt das Zentrik-Registrat in der zahnärztlichen Funktionslehre eine zentrale Rolle. Der „Mythos Zentrik“ hat aber eine andere Wertschätzung bekommen. Es gibt nicht nur die eine Idealposition der Kondylen in der Gelenkfossa, die korrekt ermittelt werden muss, um zu einem therapeutischen Erfolg zu kommen. Zentrierung des Gelenkkopfes in die Gelenkfossa heißt eine mögliche Kondylenposition zu registieren, die aber von der Methodik der Registrierung abhängig ist. Die zentrische Kieferrelationsbestimmumg mit dem Dawson Griff es wird erklärt und demonstriert. Anhand von in den Artikulator montierten Modellen lernen die Kursteilnehmer/innen den Einfl ussfaktor Okklusion zu bewerten, letztendlich für den Zahnarzt der entscheidende Bewertungsfaktor, da er nur diesen auch direkt beeinfl ussen kann. Wie beeinfl usst die Okklusion die Stellung des Kondylus in der Gelenkfossa? Können wir damit Beschwerden im Kausytem und darüber hinaus erklären?

Das gezeigte Konzept ist auch Grundlage und Erfolgsgarant jeder umfangreichen restaurativen Behandlung. Es ist mit vertretbarem instrumentellem Aufwand in jeder Zahnarztpraxis auch unter wirtschaftlichen Kriterien durchführbar.

Ziel dieses Kurses ist es, die Grundlagen der klinischen Funktionsanalyse und der manuellen Strukturanalyse darzustellen und den zahnärztlichen Einfl ussfaktor für das Entstehen einer CMD, die Okklusion, bewerten zu lernen, um damit eine zahnärztliche Behandlungsplanung und -therapie durchführen zu können.

CMD Diagnostik: Klinische Funktionsanalyse und manuelle Strukturanalyse
Zentrische Kieferrelationsbestimmung
Ein praktischer Arbeitskurs


In diesem praktischen Arbeitskurs steht die CMD Diagnostik im Mittelpunkt. Mit dem Wissen des ersten Kurses werden die Untersuchungs-Techniken der klinischen Funktionsanalyse und manuellen Strukturanalyse und die zentrische Kieferrelationsbestimmung mit dem Dawson Griff demonstriert und geübt.
Wie ist der Einflussfaktor Okklusion für das CMD Geschehen zu bewerten, welchen Stellenwert hat er in der Kausalität einer interdisziplinären CMD Diagnostik? Wo liegen die Schnittstellen zwischen Okklusion und Ergebnis der manuellen Strukturanalyse?

Die manuelle Strukturanalyse geht im Detail weiter als die klinische Funktionsanalyse und weist dem Behandler, der Behandlerin einen Weg in den therapeutischen Ansatz. Sie gibt dem Zahnarzt, der Zahnärztin die Möglichkeit, einzelne anatomische Strukturen des Kausystems unter Belastung zu untersuchen und zu befunden und einem Belastungsvektor zuzuordnen. Dieses ist für den therapeutischen Ansatz entscheidend. Die therapeutische Richtung ist entgegengesetzt zur Belastungsrichtung, die eine Gewebestruktur geschädigt hat.

Die nach zentrischer Kieferrelationsbestimmung in den Artikulator montierten Modelle ermöglichen es dem Zahnarzt, der Zahnärztin eine Aussage darüber zu treffen, wie die Okklusion die Lage des Unterkiefers verändert. Wenn die Lage des Unterkiefers von der zentrierten Kondylenposition in die habituelle Kondylenposition genau in den Belastungsvektor der überlasteten Gewebestruktur führt, darf der Zahnarzt, die Zahnärztin den okklusalen Einflussfaktor nicht außer Acht lassen.

Praktische Übungen:

  • Kieferrelationsbestimmung: Zentrik-Registrat mit dem Dawson Griff
  • Arbiträre Gesichtsbogenübertragung
  • Modellmontage , Splitcastkontrolle
  • Diagnose am Modell (incl. Kondylen-Positions-Analyse, MPI)


Theoretische Grundlagen:

  • Anatomie des Kiefergelenkes
  • Pathologie des Kiefergelenkes
  • Untersuchungsmethoden und Diagnosestellung (Manuelle Strukturanalyse nach Bumann)
  • Praktische Übungen der Manuellen Strukturanalyse
  • Therapeutische Konsequenzen aus der Modellanalyse und der manuellen Strukturanalyse

Abschlussdiskussion

Artikulatoren (SAM 2PX) und Gesichtsbögen werden vom Kursleiter gestellt. Es können aber auch eigene Geräte mitgebracht werden.

Therapeutische Konsequenzen aus der klinischen Funktionsanalyse und manuellen Strukturanalyse.
Befundbezogene Okklusionsschienentherapie und Behandlungsstrategie nach der Schiene.
Ein Demonstrationskurs mit praktischen Übungen

Häufigstes therapeutisches Hilfsmittel des Zahnarztes bei craniomandibulären Funktionsstörungen ist die Okklusionsschiene. Diagnosebezogen kommen unterschiedliche Okklusionsschienen zur Anwendung.

Aus der Systematik der manuellen Strukturanalyse wird das Konzept einer befundbezogenen Okklusionsschienenbehandlung erarbeitet. Die Fragestellung, ob weitere unterschiedliche Behandlungsmittel und eine interdisziplinäre Mitarbeit anderer Behandler notwendig sind, wird erörtert. Dazu gehören therapeutische Apparaturen jenseits der Okklusionsschiene, eine medikamentöse Begleittherapie und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, Osteopathen und Orthopäden.

Die technische Herstellung der Okklusionsschienen hat sich durch die Möglichkeiten der Digitalisierung analoger Prozessvorgänge verändert.

Abschlussdiskussion (Dr. Harth)
Übergabe der Zertifikate